Meldungen aus dem Bezirksverband Ostwestfalen-Lippe

Herford wird Mitglied des Riga-Komitees

Bürgermeister und Regierungspräsidentin unterzeichnen Beitrittsurkunde

Herford, 17.5.2011. Herfords Bürgermeister Bruno Wollbrink und Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl haben anlässlich einer Gedenkfeier im Großen Saal des Herforder Rathauses die Beitrittsurkunde der Stadt Herford zum Riga-Komitee unterzeichnet. Damit gedenkt die Stadt Herford mehr als 40 ihrer jüdischen Bürger, die während des Zweiten Weltkrieges nach Riga verschleppt und dort ermordet worden sind.

 

Am 13. Dezember 1941 verließ ein besonderer Zug den Bielefelder Hauptbahnhof. Sein Ziel: Riga, die Hauptstadt Lettlands, die kurz zuvor von der deutschen Wehrmacht besetzt worden war. Alle Insassen des Zuges waren Juden. Sie kamen aus ganz Westfalen. Unter ihnen waren auch Herforder Bürgerinnen und Bürger. Sie gehörten zu den 25.000 Juden aus Deutschland, Österreich und der Tschechoslowakei, die in Riga ums Leben kamen, entweder unter den unzumutbaren Bedingungen der Zwangsarbeit oder bei den Massenerschießungen im Wald von Bikernieki. Nur 1.147 der verschleppten Juden überlebten dieses Martyrium.

 

Unter den Menschen, die am 13. Dezember 1941 nach Riga deportiert wurden, befanden sich über 30 Bürgerinnen und Bürger aus Herford. Zu anderen Zeitpunkten und von anderen Orten aus wurden mindestens 14 weitere Menschen, die in Herford geboren worden waren oder gelebt hatten, nach Riga verschleppt.

 

Im Jahre 2001 errichtete der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. in Riga-Bikernieki eine Gräber- und Gedenkstätte. Unterstützung leistete dabei das „Deutsche Riga-Komitee“, das unter dem Dach des Volksbundes am 23. Mai 2000 in Berlin gegründet wurde. Beteiligt waren 13 Städte, aus denen Juden nach Riga deportiert wurden: Berlin, Bielefeld, Dortmund, Düsseldorf, Hamburg, Hannover, Kassel, Köln, Leipzig, Münster, Nürnberg, Osnabrück und Stuttgart. Jede dieser Städte setzte als Zeichen des Gedenkens an ihre ermordeten jüdischen Mitbürger eine Stele auf der Grab- und Gedenkstätte.

 

Den Gedenkstein der Stadt Herford will der Volksbund im kommenden Sommer im Rahmen eines deutsch-lettischen Jugendcamps auf der Gedenkstätte Riga-Bikernieki einweihen. Hierzu sind bereits jetzt Jugendliche aus Herford herzlich eingeladen.

 

Herfords Bürgermeister Bruno Wollbrink dankte einerseits dem Rat der Stadt Herford, der einstimmig dem Beitritt zum Riga-Komitee zugestimmt habe. Sein zweiter Dank galt den Schülerinnen und Schülern des Friedrichs-Gymnasiums und des Ravensberger Gymnasiums, die die Feier mitgestaltet hatten. Beide Schulen verbindet eine gemeinsame Partnerschaft mit einer Oberschule in Riga.

 

Bei den Besuchen in Lettland gehört die Auseinanderssetzung mit dem, was in Bikernieki geschah, selbstverständlich dazu. „Das heutige Engagement der Schülerinnen und Schüler lässt mich hoffen“, so das Stadtoberhaupt, „dass es hier in Herford immer wieder gelingen wird, das Gedenken an die junge Generation weiterzugeben. Das ist gut so, denn als Nachgeborene können wir nichts mehr gutmachen, aber wir haben aus Einsicht und Überzeugung die Verpflichtung, niemals zu vergessen.“

 

In diesem Sinne äußerte sich auch die Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl: „Die Gräber- und Gedenkstätte im Wald von Bikernieki leistet – nun auch dank Hilfe der Stadt Herford, ihrer Bürgerinnen und Bürger - einen wesentlichen Beitrag dazu, den Opfern ihre Identität zurückzugeben. Zwar macht die Anlage die Mordtaten nicht ungeschehen, hebt erlittenes Unrecht nicht auf, trocknet nicht die Tränen der Opfer und kann ihre verzweifelten Rufe nach Hilfe nicht mehr erhören. Aber die Gräber- und Gedenkstätte dokumentiert am Ort der Tat das volle Ausmaß des Rechtsbruchs und die Dimension des zugefügten Unrechts für alle nachfolgenden Generationen.“

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