Meldungen aus dem Bezirksverband Ostwestfalen-Lippe

Lernen am Kriegsgrab

Marienschule der Ursulinen und Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. schließen Bildungspartnerschaft ab

Die Schüler Matthis Brendel, Noah Birkemeyer und Gabriel S. reinigen einen Kissenstein auf dem Feld für ausländische Kriegstote. Foto: Volksbund, LV NRW

Bielefeld. Kann ein Besuch einer regionalen Kriegsgräberstätte den Geschichtsunterricht ergänzen? „Unbedingt!“, sind sich Alexander Jordan, Lehrer an der Marienschule der Ursulinen, und Hanna Hittmeyer, Bildungsreferentin im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., sicher. Nach jahrelanger informeller Zusammenarbeit schlossen der Volksbund und die Marienschule am 2. Juni 2022  eine offizielle Bildungspartnerschaft im Format „Bildungspartner NRW. Gedenkstätten und Schule“ ab.
 

Schüler:innen erarbeiten die Biografien von Kriegstoten

„In einer aktiven Bildungspartnerschaft“, so Schulleiter Günter Kunert, „wird der Geschichtsunterricht lebendiger, sie zeigt den Schüler:innen die Folgen von Krieg und Gewaltherrschaft am authentischen Ort auf und ermöglicht ihnen an der regionalen Erinnerungskultur in ihrer eigenen Sprache mitzuwirken.“ Im Rahmen der Bildungspartnerschaft zwischen der Marienschule und dem Volksbund werden unter anderem die Biografien der Kriegstoten, die auf dem Bielefelder Sennefriedhof bestattet wurden, erarbeitet. Eine Auswahl an Biografien von Menschen, die in Bielefeld und Umgebung während des Zweiten Weltkrieges Zwangsarbeit leisten mussten, stellen die Schüler:innen an diesem nebeligen Vormittag auf dem Sennefriedhof vor. Günter Kunert, Schulleiter der Marienschule, Ingo Nürnberger, Beigeordneter der Stadt Bielefeld und Kreisverbandsvorsitzender des Volksbunds, Silke Kroll, Abteilungsleiterin Planung und Unterhaltung Friedhöfe, und Ulrich Bergander, Mitarbeiter der Umweltbetriebe der Stadt Bielefeld, hören den Schüler:innen interessiert zu. Diese erzählen von dem Zwangsarbeiter Stefan Bolewski, der von der NS-Justiz wegen einer sexuellen Beziehung zu einer deutschen Frau zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde; von Michailo Moros, der als Rotarmist in Kriegsgefangenschaft geriet und an den Folgen eines Schädelbruchs starb; von Iwan Bowa, einen 16-jährigen Zwangsarbeiter der mutmaßlich Selbstmord beging; und von Maria Makuchina, die mit gerade mal 20 Jahren vermutlich an einer unbehandelten Lungentuberkulose starb. Ingo Nürnberger, Sozialdezernent der Stadt Bielefeld, zeigte sich beeindruckt von den Erzählungen der Schüler:innen. Er lobe ihre Arbeit und betont die Notwendigkeit, sich insbesondere in der heutigen Zeit immer wieder vor Augen zu führen, welche brutalen und weitreichenden Folgen Krieg für Menschen hat.

Zusammenarbeit unterschiedlicher Akteure in der Bildungspartnerschaft

Nachdem die Bildungspartnerschaft von Ingo Nürnberger in seiner Funktion als Vorsitzender des Kreisverbandes Bielefeld im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. und Günter Kunert als Schulleiter der Marienschule der Ursulinen unterzeichnet ist, wird es praktisch: Ulrich Bergander, der als Mitarbeiter der Umweltbetriebe für die Pflege der Kriegsgräberstätten des Sennefriedhofs zuständig ist, weist die Schüler:innen in die richtige Reinigung der Steine ein und zeigt, wie Moos und Flechten von den Kissensteinen entfernt werden können. Gemeinsam reinigen die Schüler:innen im Anschluss die Grabsteine der 311 ausländischen Kriegstoten, die auf dem Sennefriedhof begraben wurden.
Die Zusammenarbeit zwischen dem Volksbund und der Marienschule wird durch die Bildungspartnerschaft weiter gefestigt. Neben der gemeinsamen Erarbeitung der Biografien der Kriegstoten auf dem Sennefriedhof nimmt die Schule auch am internationalen Comicwettbewerb des Volksbundes teil. Dieser startet bereits zum 6. Mal. Das diesjährige Thema lautet „Unsere Straße – Schule – Denkmal. Welche Spuren bleiben vom Krieg?“. Bis zum 28. Februar 2023 haben Schüler:innen Zeit Einzel- und Gruppenbeiträge einzureichen. Wir wünschen den Marienschüler:innen viel Erfolg!

Bildungspartner NRW steht allen Schulen offen

„Bildungspartner NRW“ ist eine Einrichtung des Ministeriums für Schule und Bildung. Sie vernetzt Schulen mit außerschulischen Bildungseinrichtungen. Im Format „Gedenkstätten und Schule“ setzen Schülerinnen und Schüler sich mit der Geschichte der Weltkriege und des Nationalsozialismus an ihrem Heimatort auseinander. Die Bildungspartnerschaft mit der Marienschule der Ursulinen ist die 11. Bildungspartnerschaft des Landesverbandes NRW. Mehr Information finden Sie hier.

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